22.06.2009
Märkische Allgemeine Zeitung
 
Geistvoll gestaltet, technisch perfekt
Benjamin Schmid und Kammerakademie
INNENSTADT | Das letzte sinfonische Saisonkonzert der Potsdamer Kammerakademie unter Michael Sanderling und mit dem österreichischen Violinsolisten, Benjamin Schmid, hatte trotz des großen musikalischen Wochenend-Angebotes so viel Anziehungskraft, dass der Nikolaisaal ausverkauft war. Sergej Prokofjeff, Felix Mendelssohn Bartholdy und Wolfgang Amadeus Mozart standen mit exemplarischen Werken auf dem Programm, und da geriet die „Klassische Sinfonie“ Prokofjeffs zum packenden Eröffnungsstück.
Im Stil der Wiener Klassik, mit kleinen parodistischen Würzungen durchsetzt, ist sie wohl die populärste der fünf Sinfonien des russischen Meisters. Die Interpretation war dann ein purer „Ohrenschmaus“, hoch inspiriert und makellos gespielt. Ungezählt sind die jährlichen Aufführungen des e-Moll-Violinkonzertes von Mendelssohn, doch nie hört man das frühere in d-Moll. Das in e-Moll ist der „Renner“ in jedem Klassikradioprogramm oder auf den Konzertpodien der Welt, zumal es hoch wirkungsvoll, virtuos und angefüllt mit gesanglichen Themen ist. Benjamin Schmid spielte es mit dem nötigen Feuer, sehr geistvoll gestaltet, technisch perfekt und in wunderbarer Harmonie mit dem Orchester.
Der absolute Treffer war dennoch die Zugabe. Eine Chaconne mit verstiegenen Variationen für die Solovioline von Heinrich Ignatz Franz Biber. Was ein Wunderkind wie Mozart innerhalb von wenigen Tagen auf der Durchreise von Salzburg nach Wien in Linz an der Donau schaffen konnte, ist in der C-Dur Sinfonie KV 425 bis heute verbürgt. Die sogenannte „Linzer Sinfonie“ stellt etwas Besonderes dar. Sie beginnt mit einer feierlichen und dramatischen Adagioeinleitung und wendet sich erst dann dem klassischen Hauptsatzaufbau zu. Aber Exposition, Durchführung und Reprise sind in dieser Sinfonie nicht auf den Kopfsatz beschränkt, sondern finden im 2. und im 4. Satz ebenfalls Anwendung. Nur das Menuett mit dem tänzerischen Trio bleibt hier in der Tradition. Sanderling lockt den Musikern eine derartige Spielfreude ab, dass hier nur höchste Anerkennung für diesen Abend gelten kann.
Matthias Müller
 
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