Wieder mal "Die Neunte"
"Freude, schöner Götterfunken" zum Jahreswechsel
POTSDAM / INNENSTADT - „Freude, schöner Götterfunken“ – diese Verse aus der „Ode an die Freude“ des großen Weimarer Klassikers Friedrich Schiller verdanken ihre Popularität allein der Musik, denn Ludwig van Beethoven stellte sie ins Zentrum des Finales seiner IX. Sinfonie. Oft gehört und weltweit beliebt, wird sie auch in den Konzertsälen der Ex-DDR nun wieder verstärkt gespielt, nach einigen Jahren Enthaltsamkeit. Schließlich wurde diese Sinfonie zu Zeiten der SED-Kulturpolitik zu jedem feierlichen Anlass und vor allen Dingen zum Jahreswechsel ohne Unterlass strapaziert. In Potsdam gab es zwei feste Termine. Einmal zum Jahreswechsel und dann als Finale der Parkfestspiele.
Seit vier Jahren ist die IX. zur großen Freude der Musikliebhaber in Potsdam wieder regelmäßig auf dem Programm. Völlig entideologisiert war Beethovens sinfonisches Abschlusswerk gleich an zwei Tagen in Folge in ausverkauften Veranstaltungen des Nikolaisaales zum Jahreswechsel zu erleben. Die verstärkte Kammerakademie, die vereinigten Sänger vom Neuen Kammerchor Potsdam und dem Chor am Helmholtz-Gymnasium Potsdam, dazu die vier Gesangssolisten, Sophia Klußmann (Sopran), Olivia Vermeulen (Alt), Michael Smallwood (Tenor) und Julian Orlishausen (Bass) wirkten hierbei unter der Stabführung von Michael Sanderling harmonisch zusammen. Das „Hohelied der Freude“, so mutet diese monumentale Sinfonie an, ist der triumphaler Abgesang des Genies Beethoven, der damit alle bis dahin bekannten Grenzen der Sinfonie sprengte. Gewidmet dem Preußischen König Friedrich Wilhelm III., erscheint dieses Werk nicht nur mit der Aufnahme von Singstimmen im 4. Satz als eine allgemein verständliche Botschaft, sondern alle instrumentalen Abschnitte sind gleichsam außerordentlich emotional, voller rhetorischer Gestik und dramatischer Entwicklungen.
Sanderling vermittelte Beethovens Anliegen ideal. Sicher ist die zahlenmäßige Besetzung der Streicher in den sinfonischen Orchestern größer, auch sind Mehrfachbesetzungen bei den Bläsern üblich, doch es war hier nicht notwendig, denn die Klarheit der Satzstruktur leidet nur unter zu vielen Mitwirkenden, und der Klarheit war diese Interpretation verpflichtet. Die Chorleistung überzeugte diesmal nicht durchgängig, schon das erste „Freude schöner Götterfunken“ war im Sopran und Bass entschieden zu druckvoll. Gut unterscheidbar – die Damen des Kammerchores in schwarzen Kostümen verteilt in einem Meer von weiß der Helmholtzchorsängerinnen, die Herren vom Kammerchor hoben sich mit weinroten Schlipsen von den „Helmhöltzern“ ab – hatte der Gesang im Ganzen aber hohe Intensität und stimmliche Klarheit. Ein hoffnungsvoller Abschluss von 2009.
Matthias Müller
 
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