72 Stunden in der Megacity Shanghai
Die dritte Station unserer China-Tour 2026 führ die KAP nach Shanghai – neben Peking DAS musikalische Zentrum des Landes. Mit dabei war unsere Künstlerische Geschäftsführerin Adriana Kussmaul.
9. Oktober 2026
Mit knapp 25 Millionen Einwohnern zählt Shanghai nicht nur zu den wichtigsten Dreh- und Angelpunkten für Wirtschaft, Finanzen und Handel, sondern ist – gemeinsam mit Peking – auch das musikalische Zentrum des Landes. Neben der Shanghai Symphony Hall, der Shanghai Concert Hall, dem New Bund Performing Arts Center, dem brandneuen, futuristischen Shanghai Grand Opera House, gilt vor allem das Shanghai Oriental Art Center, in dem auch wir spielen, als kulturelles Wahrzeichen der Stadt.
Aber zurück zum Anfang: Von Shenzhen fliegen wir ca. 2,5 h nach Shanghai. Es ist Freitagmittag und die Megacity begrüßt uns mit sonnigen 25 Grad. Vom Flughafen Pudong geht es mit dem Bus zum Hotel, das direkt neben dem Konzertsaal liegt. Wir beziehen unsere Zimmer – auf dem Weg nach oben steigt ein Service-Roboter mit ein, grüßt freundlich und lässt uns beim Verlassen des Auszugs höflich den Vortritt. Den Nachmittag nutzen wir zum Vorbereiten auf die Konzerte, aber auch zum Ankommen und Ausruhen, denn Ning Feng und unsere chinesische Agentur haben für den Abend etwas Besonderes geplant: eine Einladung zum gemeinsamen Essen in einem ihrer Lieblingsrestaurants.
Wir treffen uns in der Lobby und laufen gemeinsam zu einem unauffällig wirkenden Restaurant, dessen Eingang sich – neben blinkenden Roboter- und Spieleautomaten – in einem großen Einkaufszentrum befindet. In zwei privaten Hinterräumen sind runde Tische für uns gedeckt und was dann folgt, übertrifft alle Erwartungen. Es werden unzählige Spezialitäten aus Shanghai aufgetischt, darunter geschmorter Schweinebauch, gebratener Reiskuchen, “acht Köstlichkeiten in scharfer Soße”, Fisch nach Shanghai-Art und viele verschiedene Dumplings. Mit Wein und guten Gesprächen lassen wir den Abend gemeinsam ausklingen. Danke Christina, Chin und Feng für dieses einzigartige (Geschmacks-)Erlebnis!
10. Oktober 2026
Am nächsten Morgen zieht es viele von uns in die Stadt. Einige wollen sich das Ausmaß der riesigen Metropole zunächst von oben anschauen und fahren auf den Shanghai Tower, der mit 632 Metern das höchste Gebäude Chinas und das dritthöchste der Welt ist (nur der Burj Khalifa in Dubai und der Merdeka 118 in Kuala Lumpur sind höher). Andere besuchen lieber den Yu Yuan Garden, ein 450 Jahre alter, klassischer chinesischer Garten aus der Ming-Dynastie mit Jadefelsen, Zickzack-Brücken und Teichen mit Kois und Schildkröten.
Nachmittags machen wir uns auf den Weg zum Konzertsaal. Das im Jahre 2005 vom französischen Architekten Paul Andreu entworfene Oriental Art Center erinnert von oben betrachtet an eine sich öffnende Schmetterlingsorchidee mit fünf miteinander verbundenen Kuppeln, die wie Blütenblätter wirken. In jeder Kuppel befindet sich ein anderer Veranstaltungsort; wir spielen im großen Konzertsaal mit etwa 2000 Plätzen.
Die Probe hilft uns, die ungewöhnliche Akustik des Saals besser kennenzulernen, und wir sind froh, dass Ning Feng bereits oft dort konzertiert hat und weiß, welche Besonderheiten zu beachten sind. Um 19.30 Uhr beginnt das Konzert, wir spielen Mozarts Violinkonzerte Nr. 1, 2 und 5 sowie die Sinfonia La finta semplice. Bei der Autogrammstunde im Anschluss kommen viele Kinder mit bunten Geigenkästen, die liebevoll signiert werden.
11. Oktober 2026
Auch vor dem zweiten Konzert am Folgetag treffen wir uns für eine ausgiebige Probe; auf dem Programm stehen Mozarts Violinkonzerte Nr. 3 und 4 sowie die Sinfonie Nr. 33 und die berühmte Kleine Nachtmusik.
Eine Gruppe von uns hat den Vormittag genutzt, um zu einem landestypischen Seide- und Cashmere-Markt zu fahren, wobei einige schöne Errungenschaften bereits am Abend auf der Bühne präsentiert werden. Während Ning Feng das Violinkonzert Nr. 3 spielt, wird ein Mann ermahnt, der versucht, das ganze Konzert mit seiner Google-Brille (vielleicht schon eine KI-gestützte Smart Glass?) heimlich zu filmen. Als Zugabe spielen wir wieder das traditionelle chinesische Schlaflied A Beautiful Night – begeistert werden die Handys gezückt, der Applaus ist entsprechend. Den restlichen Abend verbringen wir im Hotel, denn morgen geht die Reise bereits weiter in die (Klein-)Stadt Xiamen („nur“ 5,16 Millionen Einwohner) an der Südküste.
Fotos: Cecilia Ziano, Sulamith Seidenberg, Christoph Knitt, Adriana Kussmaul