Unsere neue Saison 26.27
Résistance
Liebes Publikum, liebe Freund*innen der KAP,
die Kunst ist eine Form des Widerstands: Sie erinnert uns an die Schönheit des Universums und verbindet uns als beseelte, lebendige Wesen.
In der Musik – bei Komponist*innen wie Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Dmitri Schostakowitsch, Kurt Weill, Ruth Zechlin und Anna Thorvaldsdottir – zeigt sich diese unglaubliche Kraft des Lebens, die uns immer wieder mit der Schönheit verbindet und an die Ideale der Aufklärung erinnert. Jede neue Komposition, jedes Konzert, jede künstlerische Idee trägt Verantwortung in sich: Die Kraft des Widerstands – „Résistance“ –, die berührt, bewegt und Menschen miteinander verbindet.
Das Saisonmotto „Résistance“ ist daher eine besondere Setzung, die zum 25. Jubiläum zum Kern der Orchesterarbeit vordringt. Die KAP war noch nie ein fertiges, glattes „Ganzes“, sondern befindet sich seit nunmehr 25 Jahren in einem transformativen Prozess, indem sie verhandelt, nachdenkt, diskutiert, sich musikalisch und persönlich immer wieder neu er findet – und daraus ihren eigenen, unverwechselbaren Gesamtklang formt.
Dieses Jubiläum soll daher kein museales sein – das würde der KAP als agilem Klangkörper auch nicht gerecht werden –, sondern die bewegte Orchestergeschichte reflektieren, wichtige Wegbegleiter*innen einladen und das Saisonmotto musikalisch aufleben lassen.
Mit Lisa Batiashvili, Tabea Zimmermann, Thomas Hampson, Pierre-Laurent Aimard, Maximilian Hornung und Emmanuel Pahud folgen international renommierte Solist*innen der Einladung nach Potsdam, um gemeinsam mit der KAP musikalische Höhepunkte zu feiern. Neben Ehrendirigent Antonello Manacorda, der die Geschichte des Orchesters wie kein anderer prägte, freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit den Dirigenten Václav Luks, Joshua Weilerstein und Konrad Junghänel, sowie auf die vielversprechenden Debüts der Dirigentinnen Ustina Dubitsky und Anna Rakitina.
Die Jubiläumssaison ist auch ein Anlass, die KAP noch sichtbarer für die Bewohner*innen der Stadt zu machen und die tiefe Verflechtung des Orchesters der Landeshauptstadt mit seiner Heimat aufzuzeigen. Den Auftakt macht dabei eine große Parade: Mit mehreren Pop-up-Konzerten, einem Überraschungskonzert in der Friedenskirche und getragen vom Leitgedanken #KAPfüralle bringen wir klassische Musik direkt in den Alltag der Potsdamer*innen und sagen somit „Danke“ ans Publikum.
Auch die Kooperationen mit anderen Kulturorten und -institutionen der Stadt werden fortgesetzt: In unserer fast schon Kultstatus tragenden Reihe „Heimspiel“ ist die KAP an ungewöhnlichen Orten zu hören, in „KlangFarben“ tritt sie in einen Dialog mit den jeweiligen Ausstellungen im Museum Barberini, in der Stadt- und Landesbibliothek kann Musik und Literatur im Duett erlebt werden und auch die erfolgreiche Potsdamer Winteroper, in Kooperation mit dem Hans Otto Theater, geht nunmehr in ihre zwanzigste Spielzeit.
Aber Widerstandsgeist und Haltung wollen gelernt und erprobt werden. Das gelingt am besten mit musikalischer Bildungsarbeit: Durch das langjährige Programm „Musik schafft Perspektive“ macht die KAP ihre künstlerische Haltung zur gesellschaftlichen Aufgabe. Mit ihrem Wirken in den Potsdamer Stadtteilen Drewitz und Am Schlaatz setzt sie sich unmittelbar für Chancengerechtigkeit ein und steht für gelebte Verantwortung. Seit einigen Jahren ergänzen auch Konzerte mit Gebärdensprache das inklusive Angebot des Orchesters, das sich im Bereich der Vermittlungsarbeit stetig fortentwickelt.
Als Kulturbotschafterin Potsdams und Brandenburgs ist die KAP auch in dieser Spielzeit wieder in großen Konzerthäusern und bei bekannten Festivals zu Gast, darunter das Wiener Konzerthaus, die Elbphilharmonie und die Laeiszhalle Hamburg, die Isarphilharmonie München, die Philharmonien in Berlin und Köln, die Meistersingerhalle Nürnberg, das Konzerthaus Freiburg und das NDR Konzerthaus Hannover, der Congress Innsbruck sowie die Mozartwoche Salzburg. Internationale Tourneen führen das Orchester zudem nach China und durch Südamerika.
Dabei bleibt Potsdam unsere musikalische Heimat. Doch – frei nach dem Saisonmotto und dem Philosophen Ernst Bloch – ist Heimat nicht (nur) Herkunft, sondern auch eine Utopie, die die Welt als veränderbares Ganzes umfasst.
Auch die KAP hat als Orchester nichts weniger versucht, als Utopien für sich auszutesten. Die Gründung eines basisdemokratischen Orchesters im Jahre 2001 nach schwierigen Umbrüchen wie der Abwicklung der Brandenburgischen Philharmonie wurde dabei nicht von allen mit Optimismus gesehen, der Weg hin zum international renommierten Kammerorchester war keineswegs ohne Hürden. In dem besonderen Kapitel „KAP Geschichte“ wird diese Vorgeschichte schlaglichthaft erzählt – mit Erinnerungsfotos und Gedanken der Musiker*innen.
Trotz aller Widerstände ist die KAP heute als Orchester der Landeshauptstadt und Hausorchester des Nikolaisaals eine etablierte kulturelle Größe in Potsdam und Brandenburg, in Deutschland und der Welt. Ein Weg, der sich nur mit viel Resilienz beschreiten ließ, wird nun also zur Jubiläumssaison im Zeichen der „Résistance“ gefeiert. Was für eine Geschichte! Inspiration ist ein Geschenk – und zugleich eine Aufgabe. Sie verlangt von uns weiterhin Mut, und die Bereitschaft, immer wieder neu zu beginnen. Wir freuen uns auf eine besondere Saison mit Ihnen!
François Leleux, Künstlerischer Leiter
Adriana Kussmaul, Künstlerische Geschäftsführerin
Céline L. Couson, Kaufmännische Geschäftsführerin