Chormusik in der Küstenmetropole Xiamen
Das siebte Konzert unserer China-Tour 2026 findet in der Küstenmetropole Xiamen steht. Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit mit einem lokalen Highschool-Chor – unser Fagottist Florian Bensch berichtet.
12. Oktober 2026
Xiamen im Süden Chinas empfängt uns bei 30 Grad und strahlendem Sonnenschein. Die Küstenmetropole in der Provinz Fujian zählt rund 5,35 Millionen Einwohner und ist unter anderem ein bedeutender Standort der chinesischen Fahrradindustrie – einige Orchestermitglieder drücken sich an den Schaufenstern der Fahrradläden die Nasen platt.
Wir nutzen unseren Ankunftstag, um den Strand und die Umgebung zu erkunden, uns durch die lokale Kulinarik zu probieren oder auch einfach einen ausgedehnten Mittagsschlaf einzulegen. Kulinarisch ist die Region eng mit Taiwan verbunden: Beide Seiten der Taiwanstraße teilen viele Traditionen der südlichen Fujian- beziehungsweise Minnan-Küche.
Der Abend klingt schließlich so aus, wie man es sich nach einem langen Reisetag kaum besser wünschen könnte: in kurzer Hose, mit einem Kaltgetränk in der Hand und unter Palmen.
13. Oktober 2026
Im Mittelpunkt des heutigen Tages steht unser einziges Konzert in Xiamen. Als siebtes Konzert der Tournee hält es allerdings eine Premiere für uns bereit: Zwei Stücke werden wir gemeinsam mit einem lokalen Highschool-Chor proben und am Ende unseres Konzerts aufführen. Die Arrangements haben wir im Vorfeld an unsere Besetzung angepasst und den geplanten Ablauf anhand von Probenvideos abgestimmt – was uns vor Ort erwartet, wissen wir dennoch nicht so recht.
Dann kommt der rund siebzigköpfige Chor – und beeindruckt uns auf ganzer Linie. Die Mädchen und Jungen im Alter von etwa 12 bis 17 Jahren singen mit einer derart beeindruckenden Intonationssicherheit und Klangschönheit, dass wir aus dem Staunen kaum herauskommen.
Das ursprünglich schottische Lied „Auld Lang Syne“ ist auch in China unter dem Titel „友谊地久天长“ („Möge die Freundschaft ewig währen“) weit verbreitet – was vielleicht erklärt, warum uns die Melodie schon bei unserer Ankunft am Flughafen aus den Lautsprechern entgegenschallte. Gemeinsam mit dem Chor erklingt das Stück schließlich auch mit einer Strophe auf Chinesisch.
Das zweite gemeinsame Stück, „Waves of Gulangyu“, führt uns noch näher an Xiamen heran: Es besingt Gulangyu, die kleine Insel direkt vor der Küste der Stadt. Seit 2017 gehört sie als historische internationale Siedlung zum UNESCO-Welterbe. Autos und Motorräder sind dort weitgehend tabu; die Insel wird vor allem zu Fuß erkundet. Von uns bekommt sie deshalb kurzerhand den Spitznamen „Hiddensee Chinas“.
Alles in allem ist dieser Abend eine wunderbare Abwechslung zu unserem Mozart-Programm – und vor allem ein schönes Zeichen dafür, wie unmittelbar musikalische Verständigung funktionieren kann, auch über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg.
Fotos: Sophia Eschenburg, Cecilia Ziano, Nadja Reimer