Kammerkonzert

Samstag
17.10.2026
19.30 Uhr

Alte Neuendorfer Kirche
Potsdam

Gastspielkonzert

Fantazia – Klangvielfalt durch die Jahrhunderte

Decke der Alten Neuendorfer Kirche in Potsdam
© Benjamin Maltry

Fantastische Kammermusik in der Alten Neuendorfer Kirche mit Werken von Purcell, Britten, Telemann und Biber

Programm
Benjamin Britten, Phantasy Quartet op. 2
Henry Purcell, Fantasien (Auswahl)
Heinrich Ignaz Franz von Biber, Sonate für Trompete, Violine, 2 Bratschen und b.c. Nr. 4 C-Dur
Ralph Vaughan Williams, Phantasy Quintet
Georg Philipp Telemann, Fantasie Nr. 10 für Violine Solo
Reinhold Glière, 12 Duos für zwei Violinen op. 49 (Auswahl)
Nathan Plante, “Residuum” für Violine und Live Elektronik
Benjamin Britten, Sechs Metamorphosen nach Ovid für Oboe solo op. 49 (1. Satz: Pan)
Beteiligte
Kristina Lung, Susanne Zapf, Michiko Iiyoshi, Violine
Jennifer Anschel, Woobin Choi, Viola
Jan-Peter Kuschel, Violoncello
Anne Hofmann, Kontrabass
Birgit Zemlicka, Oboe
Nathan Plante, Trompete
Mitglieder der Kammerakademie Potsdam

Im Kammerkonzert “Fantazia” wandeln unsere Musiker*innen auf den Spuren dieser faszinierenden musikalischen Gattung durch die Jahrhunderte – vom Barock bis in die Moderne – und feiern ihre melodische Freiheit.

Die Fantasie in der Tradition Henry Purcells

Große Popularität erlangte die Fantasie zunächst im England Henry Purcells. Seine Fantasien verbinden kontrapunktische Meisterschaft mit expressiver Unmittelbarkeit. Ein späterer Bewunderer Purcells, Benjamin Britten, erweitert diese englische Tradition in seinem Phantasy Quartet für Oboe und Streicher um spätromantische Klangexperimente. Ralph Vaughan Williams wiederum entdeckt im Phantasy Quintet die Klangwelt altenglischer Volkslieder und überführt sie in die Tonsprache des frühen 20. Jahrhunderts.

Georg Philipp Telemanns Fantasie – auch elektronisch interpretiert

Doch auch jenseits von England beflügelte die Gattung die Fantasie von Komponist*innen: Georg Philipp Telemanns Fantasie Nr. 10 besticht durch unerschöpfliche Erfindungsgabe und ermöglicht improvisatorische Freiheit, die KAP-Musiker Nathan Plante in den elektronischen Klangraum überträgt. In den spätromantisch geprägten Violinduos des deutsch-russischen Komponisten Reinhold Glière finden sich Anklänge russisch-folkloristischer Harmonien.

Eine Wiederentdeckung: Heinrich Ignaz Franz von Biber

Außerdem bringen die Musiker*innen der KAP mit einer Sonate von Heinrich Ignaz Franz von Biber einen zu Unrecht vernachlässigten Komponisten zurück auf die Bühne.

Ein abwechslungsreiches Konzertprogramm, das bekannte Meisterwerke und selten zu hörende Kammermusik miteinander verbindet und eine faszinierende Vielfalt in den Besetzungen und Klangfarben erleben lässt.

Tickets bitte vorab über den Ticketlink online kaufen oder an der Abendkasse (nur Barzahlung möglich).

Konzertbesuch

Alte Neuendorfer Kirche
Neuendorfer Anger 1
14482 Potsdam

Alte Neuendorfer Kirche

Alte Neuendorfer Kirche von außen (Potsdam Babelsberg)

Ein architektonisches Kleinod auf dem Neuendorfer Anger

König Friedrich Wilhelms IV. (1795–1861) persönlich fertigte eine erste Skizze für diesen oktogonalen Zentralbau an, inspiriert von der Kirche St. Gereon in Köln. Sein Hofbaurat Ludwig Ferdinand Hesse entwickelte aus der Skizze den Bauplan, während Bauinspektor Christian Heinrich Ziller aus der Schinkel-Schule die Ausführung des gelben Backsteinbaus leitete. August Stüler wirkte an der Entwurfsrevision mit.

Eingeweiht wurde die Alte Neuendorfer Kirche am 30. Januar 1853. Sie ersetzte ein seit 1585 bestehendes Fachwerk-Kirchlein auf dem Neuendorfer Anger, dem historischen Dorfzentrum von Neuendorf, das heute zum Stadtteil Babelsberg gehört. Die historische Siedlungsstruktur mit eingeschossigen Bauernhäusern um den Anger ist bis heute erhalten.

Industrialisierung und Konkurrenzbau

Während der Industrialisierung und dem folgenden Bevölkerungszuwachs wurde die oktogonale Kirche bald zu klein, sodass Ende des 19. Jahrhunderts in direkter Nachbarschaft eine zweite, größere Kirche errichtet wurde, die neugotische Bethlehemkirche nach Plänen von Ludwig von Tiedemann (1841–1908). Die Alte Neuendorfer Kirche diente fortan als Lager.

Kriegsschäden und Wiederaufbau

Während des Zweiten Weltkriegs wurden sowohl die Alte Neuendorfer Kirche als auch die Bethlehemkirche stark beschädigt, letztere anschließend sogar abgerissen. Der Grundriss ist bis heute auf dem Neuendorfer Anger sichtbar.

Die Alte Neuendorfer Kirche rettete ab 1999 die Theologin Gisela Opitz mit der Gründung eines Fördervereins vor dem Abriss. Innerhalb von sieben Jahren wurde die Ruine dank Bürgerbeteiligung vollständig wiederaufgebaut und dient heute als Veranstaltungsort für Konzerte und Ausstellungen sowie als Außenstelle des Potsdamer Standesamtes für Eheschließungen.