China 2026: Von Berlin nach Wuxi
Die KAP reist aktuell durch China. Start unserer Tour mit Geiger Ning Feng: Wuxi. Bratschist Ralph Günthner schreibt über die ersten Erlebnisse – von der Anreise bis zum Flashmob.
Freitag, 2. Oktober 2026
Wir treffen uns am späten Vormittag am BER. Check-In und Sicherheitskontrollen verlaufen ohne Probleme, pünktliches Boarding und Abflug um 14 Uhr. Später erfahre ich von meiner chinesischen Sitznachbarin, dass Flug HU490 nach Peking immer on time sei. Ein bisschen mulmig ist einigen von uns schon, denn wir fliegen über den Norden Russlands. Doch irgendwie bekommen wir die neun Stunden Flug hinter uns.
Samstag, 3. Oktober
Auch die Landung erfolgt pünktlich um 4:50 Ortszeit. Natürlich sind alle ein wenig gerädert. Ich selbst habe vielleicht dreimal jeweils 20 bis 30 Minuten geschlafen, Andere mehr, manche gar nicht. Schließlich ist es in Deutschland erst 23 Uhr! Wir haben relativ wenig Zeit bis zu unserem Anschlussflug nach Shanghai. Passkontrolle, leider müssen wir die Koffer wieder abholen, neu einchecken und dann ist fast schon wieder Abflug um 7:30. Shanghai erwartet uns grau und regnerisch. Wir steigen in den Bus und nach anfänglichem Geplauder und ausgelassenen Gesprächen fallen alle ins Koma. Die Fahrt dauert drei Stunden, vorbei an endlosen Hochhaus-Korridoren, zwischendurch Grün oder Bebauungsflächen. In der Ferne die Skyline von Shanghai oder einer anderen Stadt in diesem riesigen Ballungszentrum.
In einem dieser Neubaudistrikte erreichen wir gegen 14 Uhr unser Hotel. Alles optimal vorbereitet, riesige Zimmer! Aber auch hier in Wuxi regnet es, der Himmel ist dunkelgrau.
Wir treffen uns um 16 Uhr mit der Organisatorin Christina Kang und ihrer Kollegin Chin, um in einer nahegelegenen Shopping Mall Essen zu gehen. Alle genießen wir die reichhaltige und vielfältige chinesische Küche mit Suppen, Gemüse, Seafood und Fleisch. Auf jeden Fall müssen wir den Tag durchstehen, um in den neuen Tagesrhythmus einzusteigen. Dabei hilft, dass es in der Hotellobby noch eine gemütliche Runde Bier von einem der unzähligen Lieferdienste gibt, die hier Tag und Nacht Hotelgäste mit Speisen oder frischen Kontaktlinsen versorgen.
Sonntag, 4. Oktober
Leckeres Frühstück mit Gemüse, Reis, Spiegeleier und Wan Tan. Dann 9:40 Abfahrt zum Konzertsaal, der eigentlich gleich um die Ecke ist. Ein ganz neuer und sehr geschmackvoller Saal in einer Außenhülle, die sich in angenehmer Weise von den unzähligen hochgestreckten Gebäuden unterscheidet.
Unsere Probe startet wie erwartet noch verhalten und zäh, obwohl der Saal akustisch unterstützt, aber auf der Bühne den Kontakt zwischen den hohen und tiefen Streichern ein wenig vermissen lässt. Wir müssen uns eingrooven und den Jetlag aus den Knochen spielen!
Danach gibt es in der Saalkantine eine Lunchbox, denn der Bus bringt uns gleich darauf in das alte, traditionelle Wuxi, der Ancient Water Town mit ihren Kanälen, Brücken, Tempeln und vor allem vielen Menschen, die die Feiertage der “Golden Week” hier verbringen. Wir werden als Reisetruppe umringt von einem Heer an Fotografen und Agenturmitarbeitern. Alle bekommen ein Headset und so drängen wir uns durch ein Meer von einheimischen Touristen und erfahren etwas über das alte und spirituelle Wuxi. Ziel ist der Vorplatz eines Tempels, an dem wir unter Medienrummel und Beifall der Passanten in einem Flashmob ein traditionelles chinesisches Schlaflied zum Besten geben.
In einem alten Teehaus an einem Kanal gibt es neben Kaffee und süßen Snacks Interviews und Pressetermine rund um unsere zwei Konzerte, die wir hier am nächsten Tag geben werden. Wunderbar finde ich, dass es in diesem hochmodernen Land auch noch die malerischen Seiten des alten Chinas existieren. Dieser Nachmittag wird uns auf jeden Fall in schöner Erinnerung bleiben!
Doch es geht auch gleich weiter! Kaum sind wir mit dem Bus ins Hotel zurückgekehrt, müssen einige von uns zu einer eigens für das hiesige Sinfonieorchester und uns organisierten Probe in den Konzertsaal. Im wunderbar geräumigen und komplett ausgestatteten Probensaal spielen uns die Streicher des Wuxi Symphony Orchestra die Kleine Nachtmusik vor, die wir am nächsten Tag hier präsentieren. Die Probe ist als Streichertraining für die String Section angesetzt. Cecilia erklärt ihnen die aktuelle “europäische” Herangehensweise an dieses leider zu bekannte Werk von Wolfgang Amadeus. Wir assistieren und kommen in der Pause mit den Musikern ins Gespräch.
Anschließend lädt uns unsere ehemalige KAPCampus-Akademistin Yinjie zu einem wunderbaren chinesischen Essen ein mit fantastischer Fischsuppe, Gemüse und süßlich herzhaften Schweinerippchen.
Montag, 5. Oktober
Die Sonne scheint bei angenehmen Temperaturen, einige haben noch Jetlag, können nicht richtig schlafen, andere sind schon voll akklimatisiert. Wir genießen ein entspanntes Frühstück und einen freien Vormittag. Kurz nach 12 Uhr geht es los zum Konzertsaal. Um 13:30 Uhr ist Anspielprobe mit der Kleinen Nachtmusik. Um 14.30 dann geben wir unser erstes Konzert und spielen die Sinfonia “La Finta Semplice” und die Violinkonzerte Nr. 1, 2 und 5 von Wolfgang Amadeus Mozart. Dazwischen wieder Essen – mittlerweile haben wir ein Lieblingslokal in der Shopping Mall. Am Abend um 19:30 dann geben wir unser zweites Konzert mit den Violinkonzerten G-Dur und D-Dur, der Sinfonie B-Dur KV319 und “Eine kleine Nachtmusik“ – Good night, good night, morgen müss’mer noch weit…!
Fotos: Maik Meier, Nadia Reimer, Florian Bensch, Sophia Eschenburg