Mozart in Shenzhen
Die China-Tour unseres Orchesters geht weiter: Zweite Konzertstation ist das Luhu Art Center in Shenzhen. Von dort berichtet unsere Geigerin Sophia Eschenburg.
6. und 7. Oktober 2026
Die Reise von Wuxi nach Shenzhen am 6.10. war auf jeden Fall nichts für Langschläfer. Um kurz vor 6 Uhr hat der Wecker geklingelt und dann ging es mit der Frühstücksverpflegungstüte vom Hotel für uns alle in den Bus, der uns zum Flughafen bringen sollte. Nach dem Konzert am Vortag keine leichte Aufgabe – doch saßen alle, mehr oder weniger ansprechbar, auf ihren Sitzen. Danach verlief alles reibungslos, keine unverhofften Kofferzwischenfälle oder unangenehme “Security Instrument-Situationen”.
Da ich den Flug schlafend verbracht habe, war ich in Shenzhen bereit, zusammen mit einer kleineren Gruppe direkt in einem Restaurant Mittag zu essen, wohingegen einige von uns auch froh waren, sich noch einmal etwas im Hotel ausruhen zu können, denn um 16:10 Uhr ging es schon wieder los zur Anspielprobe im Shenzhen Luhu Art Center. Die Akustik hat uns das Ankommen im Saal leicht gemacht, der Klang durfte sich warm und wonnig im holzverkleideten Raum ausbreiten und wir konnten die Müdigkeit wieder etwas vergessen.
Später am Abend wurden wir von einem aufgeschlossenen Publikum begrüßt, mit dem wir nach der begeistert erklatschten Zugabe auch ein Foto gemacht haben – die KAP auf der Bühne, das Publikum mit allen erleuchteten Handytaschenlampen im Hintergrund. Auch zuvor wurde versucht, fleißig zu fotografieren und zu filmen, jedoch wurde dies immer blitzschnell durch eine*n Mitarbeiter*in des Art Centers mit gezielten Laserpointer-Attacken auf die Linse der Handys unterbunden.
Auf unterschiedlichste Weise ließen wir den Abend ausklingen und passend dazu gestaltete sich dann auch der nächste Morgen für jede*n individuell. Ob schon ein bisschen Sightseeing, Sport, Ausschlafen, Shoppen oder eine ausgiebige Runde im Pool des Schwimmbads war alles dabei, getroffen haben wir uns gemeinsam wieder in den Kunstledersitzen des Busses auf dem Weg zum zweiten Konzert.
Aber erst einmal hieß es: Fotoshooting! Auf der Treppe, vor der Wand, auf der anderen Treppe, draußen (dann ohne Instrument, denn es war viiiiel zu sonnig),… lammfromm haben wir unser schönstes Lächeln aufgesetzt und hoffentlich tolle neue Fotos für die Tour und fürs Orchester schießen können.
Das zweite Konzert war noch besser besucht als das erste, viele junge Menschen saßen in den Reihen, es herrschte eine aufgeregte und erwartungsvolle Atmosphäre, Ning Feng ließ sich nach wie vor keine Anzeichen von Müdigkeit, Jetlag oder Erschöpfung anmerken. Und so spielten wir wieder neu Mozart, mit all den Eindrücken der letzten Tage im Kopf und im Herzen.
Mich würde so interessieren, wie Mozart Shenzhen gefunden hätte. Sicherlich wäre er ein riesiger Fan von den bunten Läden und vielen Farben, alles leuchtet und blinkt und macht Geräusche und versucht so, unsere Aufmerksamkeit zu erlangen.
Im Konzert habe ich darüber nachgedacht, wie viel uns seine Musik ebenfalls auf diese Weise abverlangt. Hinter jeder Ecke eine neue Idee, jedes Mal ein wenig anders schattiert, ein Farben- und Ideenreichtum, der auf seine wache und impulshafte Art für mich auch irgendwie gut hierher passt.
Nach dem obligatorischen Foto mit dem Publikum sind wir wieder zurück ins Hotel, um uns dann aufzumachen in “diese eine Essensstraße, wenn man da über die Fußgängerbrücke geht links”. Wir haben Suppe und Nudeln aus einem kleinen Restaurant und alle möglichen ungewöhnlichen Früchte und Snacks aus dem Supermarkt geteilt und uns an dem lauen Abend erfreut, bevor es dann ins Bett gehen musste, denn einige wollten schon wieder früh auf den Beinen sein für unseren ersten richtig freien Tag.
Fotos: Maik Meier, Nadja Reimer und Sophia Eschenburg