Konzert in der Forbidden City Concert Hall

Mozarts Violinkonzerte beim Beijing Music Festival

26. Oktober 2026

Das große Tourneefinale in Peking. Wir spielen alle fünf Violinkonzerte von Wolfang Amadeus Mozart beim Beijing Music Festival. Unsere Flötistin Bettina Lange berichtet von diesem besonderen Konzert und den Eindrücken der letzten Station.

15. Oktober 2026

An einem klaren, sonnigen Tag landen wir auf dem Flughafen der Hauptstadt. Der Landeanflug war beeindruckend, eröffnete einen Blick auf die Landschaft rund um das dreitausend Jahre geschichtsträchtige Beijing, die mächtige Autobahn, die das riesige Land durchquert und eine nächste Millionenmetropole. 12 Millionen Einwohner zählt das engere Stadtgebiet, der Ballungsraum wird mit knapp 22 Millionen Einwohnern aktuell geschätzt. Keine außergewöhnliche Seltenheit, da die anderen Metropolen, die wir besuchen durften, ähnliche Zahlen vorlegen: Shenzhen mit knapp 18 Millionen, Shanghai im Stadtgebiet mit 25 Millionen und die „Kleinstädte“ Wuxi 7,5 und Xiamen mit 5 Millionen Einwohner*innen sind für uns kaum vorstellbare Zahlen.
Problemlos verliefen der Flug und der Transfer ins Hotel im Zentrum der Stadt. Für den Großteil des Orchesters war es nur ein Reisetag, eine kleinere Gruppe aber war schon einen Tag früher aus Xiamen abgereist, um am Morgen ein Promokonzert mit Interviews im Citic Bank Headquarter, dem größten Sponsor des Beijing Music Festivals, zu geben. Das Streichquartett inklusive unseres Solisten Ning Feng präsentierten Teile aus der „Kleine Nachmusik“ von Mozart in der Streichquartettfassung. Neben unserer Konzertmeisterin Cecilia und unserer Cellistin Alma-Sophie war auch unsere ehemalige Akademistin Yinjie dabei, die uns alle während der gesamten Reise durch ihre Heimat unglaublich unterstützt hat!
Beijing hat ein anderes Gesicht als die vielen neugebauten Hightech-Zentren mit ihren unzähligen Wolkenkratzern. Es erwarteten uns die typischen Straßen und Gassen (Hutongs) mit den vielen traditionellen roten Laternen, kleineren Häusern und andere kulinarische Spezialitäten. Beeindruckend war auch in dieser Stadt wieder die Veränderung der Luftqualität, die ja bekanntlich extrem schlecht in ganz China war – nun aber fahren über 80 % Elektroautos, inklusive Lastfahrzeuge und Busse. Die E-Roller haben in den meisten Metropolen die klassischen Benzin-Motorroller aufgrund strenger Umweltauflagen fast vollständig ersetzt, Fahrräder hingegen sah man vor allem in Beijing, weniger in Shenzhen und Shanghai.
Der Tag endete sehr individuell, ob beim gemeinsamen Essen, Spazierengehen oder Üben und Vorbereiten auf den nächsten Tag.

16. Oktober 2026

Ein freier Vormittag für alle tat gut, bis es dann mit dem Bus Richtung „Verbotene Stadt“ zur Konzerthalle ging. Allerdings blieben wir im dichten Verkehr mit dem Bus stecken, sodass wir uns entschieden, einen Teil der Strecke lieber zu Fuß zurückzulegen. Die Probe war relativ kurz, da Ning Feng alle fünf Violinkonzerte am Abend mit nur zwei kurzen Konzertpausen absolvieren wollte. Das Publikum begrüßte uns herzlich und feierte ihren chinesischen Stargeiger Ning Feng. Wir durften mit diesem Konzert Teil des 29th Beijing Music Festival sein, das als Motto Mozarts 270. Geburtstag feierte. Was für eine Herausforderung alle fünf Violinkonzerte hintereinander zu spielen und auch zu hören – keine Sekunde wurde es langweilig oder trist. Mozart schafft es, mit seinen Kompositionen doch immer, dass man, ob als ausführende*r Musiker*in oder als Zuhörende in eine Gefühlswelt abtauchen muss, der man nicht entkommen kann. Seine Musik trifft direkt in die Seele, so fein, so klar. Sich dem zu entziehen ist unmöglich. Gefeiert vom Publikum spielte Ning Feng auch nach diesem Marathon noch Zugaben und signierte nach dem Konzert gemeinsam mit einigen Orchestermitgliedern unsere gemeinsame CD mit den Violinkonzerten, die gerade veröffentlicht wurde. Was für eine Leistung! Bravo Ning Feng und bravo an das gesamte Orchester!
Das war unser letztes Konzert auf der Tournee. Danke an die wunderbare Christina und Chin von unserer Konzertagentur, die uns so großherzig und professionell durch diese Tournee begleiteten. Danke an die unglaubliche Nadja, ohne die wir einfach aufgeschmissen wären. Danke an Adriana, die diese Reise für uns mit der Agentur verhandelt und so lange vorgeplant hat!

17. Oktober 2026

Nun heißt es Abschied nehmen von einer aufregenden Reise und einem überraschenden Land. Bevor unser Direktflug in der Nacht um 2:40 Uhr nach Berlin startete, wollten wir uns ein gemeinsames Erlebnis gönnen und die „Verbotene Stadt“ mit einer Stadtführung erleben. Eine kleinere Gruppe besuchte die chinesische Mauer, in der Hoffnung, dort dem farbenfrohen Herbst und der Natur zu begegnen. Anders als gedacht meinte es aber der Wettergott nicht allzu gut mit uns oder eben besonders gut, um uns den Abschied zu erleichtern – es regnete nicht nur, es schüttete aus allen Kannen. Kaum wenige Meter war Sichtweite, verhangene Wolken, unterspülte Straßen, der Regenschirm reichte nicht aus. Aber scheinbar ist das nichts Ungewöhnliches. Die Straßenhändler waren erfinderisch und zauberten sofort Regenmäntel, Regencapes und wasserdichte Schuhüberzieher hervor. Aber auch das war kein wirklicher Schutz vor der Nässe, immerhin fühlte man sich etwas besser…Trotz allem erreichten wir die „Verbotene Stadt“ und schoben uns unter tausenden anderen Regenschirmen durch die Palastanlage, ein Meisterwerk der chinesischen Architektur. Selbst bei dem schlechten Wetter leuchteten die Farben der unterschiedlichen Paläste, das Gelb der zum Teil vergoldeten Dächer, die Farbe des Kaisers.
Zurück im Hotel, versuchen wir auf abenteuerliche Weise unsere Sachen im Gemeinschaftsraum zu trocknen. Danach ging es in ein nahegelegenes Restaurant zum großen Pekingente-Essen! Das traditionelle Gericht durfte natürlich nicht fehlen, zumal es eine aufwendige Technik der Zubereitung bedeutet. Das Tier wird mit einer Glasur aus Malzsirup versehen, tagelang luftgetrocknet und letztendlich in einem Ofen über Obstholz knusprig gebacken. Mehrere Gänge werden gereicht, das Fleisch der Ente wird in einem hauchdünnen Pfannkuchen gegessen. Sensationell!
Es war ein wunderbarer Abschluss unserer Reise. Erfüllt mit vielen verschiedenen Eindrücken dieser Tournee, unerwarteten Begebenheiten und dankbar über die tollen Begegnungen mit freundlichen Menschen traten wir am späten Abend die Fahrt zum Flughafen an.

Fotos: Sophia Eschenburg, Cecilia Ziano, Bettina Lange, Nadja Reimer