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Anna Prohaska

Artist in Residence 21.22

Bereits seit Jahren war Anna Prohaska eine unserer Wunschkandidatinnen als Artist in Residence. Umso mehr freuen wir uns, dass wir sie nun für unsere Jubiläumssaison gewinnen konnten.

Anna Prohaska ist eine besondere Künstlerin: technisch herausragend, ausdrucksstark und voll beeindruckender natürlicher Musikalität. Zudem ist sie unglaublich offen, neugierig und vielseitig interessiert mit einer großen Bandbreite an Repertoire, Stilen und Gattungen. Wir finden, diese Flexibilität passt ganz wunderbar zur Kammerakademie Potsdam. Deshalb war es seit langem unser Wunsch, Anna Prohaska als Artist in Residence für eine Saison an das Orchester zu binden – jetzt passten die prall gefüllten Terminkalender endlich zusammen. Was für ein schönes Geschenk zur Jubiläums-Saison !

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Künstlerbiografie Anna Prohaska (pdf)

Die Mozart-Session

Nach einem ersten musikalischen Kennenlernen im Mai 2017 war die Mozart Session die zweite Zusammenarbeit der KAP mit Anna Prohaska. In der besonderen Atmosphäre des „Säälchens“ im Berliner Holzmarkt machen sich die drei gefeierten Solist*innen Anna Prohaska (Sopran), Andreas Ottensamer (Klarinette) und Caspar Frantz (Klavier) im Dialog auf die Suche nach ihrem Mozart. Gemeinsam mit der KAP haben sie dabei sowohl vertraute Stücke gespielt als auch unbekannte Werke entdeckt und dabei die persönlichen Zugänge der drei Solist*innen auf den großen Komponisten freigelegt. Ein moderner Salon mit Gespräch und viel Musik.

Konzerte mit Anna Prohaska

Orchesterkonzert

20 Jahre Kammerakademie Potsdam

Samstag
28.08.2021
19.30 Uhr
Kammerkonzert
Feiertagskonzerte

Persönlich

Sonntag
03.10.2021
18.00 Uhr
Orchesterkonzert
Sinfoniekonzert

Spannungsvoll

Samstag
11.12.2021
19.30 Uhr
Kammerkonzert

Ophelia

Dienstag
04.01.2022
20.00 Uhr
Orchesterkonzert

Belcanto

Samstag
28.05.2022
19.30 Uhr

Interview

Ein Interview mit Anna Prohaska – mit Anspruch auf Unvollständigkeit

Was ist deine früheste Erinnerung an Musik?

Die gibt es nicht, weil ich schon im Bauch meiner Mutter ganz viel Musik gehört habe – und sogar quasi als Nebendarstellerin mit ihr auf der Bühne stand, als sie schwanger und bei Prokofjews „Romeo und Julia” Statistin war.

Deine Eltern und Großeltern sind Opernregisseur, Dirigent, Sänger: Hattest du überhaupt eine Berufswahl?

Es gibt noch einen anderen „Zweig” der Familie, das sind Kunsthistoriker, und bei uns zuhause in Wien und Berlin gingen immer Kunsthistoriker und Bildende Künstler ein und aus. Das hätte auch ein interessanter Beruf für mich sein können.

Ist Sängerin (nach wie vor) dein Traumberuf?

Absolut: Traumberuf und Fluch zugleich, weil man sehr viel aufgeben muss, um den Beruf diszipliniert ausüben zu können und fit zu bleiben, weil wir sehr stark an unserer Gesundheit hängen.

Welche Musik hörst du privat?

Im Moment sehr viel Filmmusik, mal in die klassische Richtung, aber auch Elektronisches oder Sphärisches. Gestern habe ich aber das Programm für unser Händel-Konzert (am 28. Mai 2022) zusammengestellt, und habe dabei die Concerti Grossi rauf- und runtergehört – es passiert also auch, dass ich privat Klassik höre.

Gibt es Musik, die mehr „zuhause” für dich ist als andere?

Es gibt ein paar Berliner Bands oder Berliner Musik, da fühle ich mich immer an mein Zuhause erinnert, zum Beispiel Rammstein oder „Schwarz zu blau” von Peter Fox. Wenn ich das woanders höre, werde ich direkt nostalgisch.

Hast du eine Lieblingsoper und/oder eine Lieblingspartie?

Das ist die schwierigste Frage auf der Welt! Eigentlich könnte ich nur meine Top 5 sagen, aber wenn man mir jetzt das Messer an die Kehle setzte, dann würde ich wohl „Le Nozze di Figaro” und Susanna sagen. Das ist einfach die perfekte Oper: Schon das Theaterstück von Beaumarchais ist richtig gut, und dieser dramaturgische Zug in der Oper von den Rezitativen in die nächste musikalische Nummer, das ist so unbedingt und unabdingbar. Und es sind echte Menschen auf der Bühne, keine Schablonen oder Karikaturen, sondern richtige Menschen aus Fleisch und Blut.

Konzeptalben von dir sind nie leichte Kost, dabei könntest du als lyrische Sopranistin „einfach” die Klassiker singen – was interessiert dich an den weniger bekannten, an den abgründigen Stücken?

Das Abgründige interessiert mich, weil ich emotional einen etwas stärkeren Zugang zu dramatischer, melancholischer Musik habe. Natürlich muss man das immer gut ausbalancieren, ebenso wie mit den weniger bekannten Stücken. Da reizt mich immer die Kombination mit dem Bekannten. Indem man etwas Unbekannteres reinschmuggelt, zwingt man auch die Zuhörer, diese Dinge, die ich selber so toll finde, kennenzulernen. Und das größte Kompliment ist, wenn jemand sagt: „Dieses Lied von Daniel-Lesur, das kannte ich noch gar nicht, wer ist überhaupt der Komponist und warum hat man von dem noch nie etwas gehört?”

Wenn man dich auf der Bühne sieht, könnte man meinen, dir fliege alles leicht zu, so mühelos und selbstverständlich wirken du und dein Gesang. Stimmt das, oder täuscht das?

Das täuscht. Ich bin immer aufgeregt. Aber manchmal gibt es Konstellationen mit einem Dirigenten, einem Orchester oder Regisseur, mit denen man sich unglaublich wohl fühlt und nur ganz leicht aufgeregt ist, wo man einfach lockerlassen kann. Das sind immer die schönsten Abende, die man selber auch genießen kann.

Die Coronavirus-Pandemie hat das kulturelle Leben durcheinandergebracht. Was hat diese Zeit mit dir gemacht?

Das war eine Reise von katatonischer Depression bis zur Hyperaktivität, immer in Phasen. Manchmal dachte ich: Oh Gott, ich muss jetzt einfach alles machen, Balkonkonzerte, Interviews, Zoom-Gespräche, Streaming-Konzerte, bloß präsent bleiben. Aus Panik, dass man als freischaffender Künstler vergessen wird.

Und dann gab es Momente, wo ich überhaupt keine Energie hatte, mich einfach nur in einer Ecke verkriechen wollte, so enttäuscht war ich von der Politik, dass sie uns so abserviert haben, und auch die seelische Gesundheit der Bevölkerung total außer Acht gelassen haben. Alle Veranstalter haben tolle Hygienekonzepte, und trotzdem bewegt sich nichts vorwärts, und da setzt eine große Frustration und Wut ein.

Ich versuche aber, die in positive Energie umzuwandeln und die Aufgaben, die ich glücklicherweise jetzt habe, gut zu machen.

Worauf freust du dich innerhalb der Residenz bei der KAP am meisten?

Nachdem ich noch einmal habe Revue passieren lassen, was wir geplant haben, kann ich das fast nicht sagen, ich freue mich wirklich auf alles. Zum Beispiel werde ich endlich mal mit Kris Bezuidenhout gemeinsam auf der Bühne stehen, wir kennen uns schon ewig und haben noch nie zusammen musiziert, und diese Arie „Ch’io mi scordi di te” liegt mir sehr am Herzen (Saisoneröffnung, 28. August 2021). Aber besonders freue ich mich auf das Sinfoniekonzert mit Antonello (11. Dezember 2021), weil wir gerade beim Münchner „Freischütz” gemerkt haben, wie toll und schön wir zusammenarbeiten, und so wird hoffentlich neben unserer privaten eine ganz lange musikalische Freundschaft bleiben.

Die Artists in Residence der KAP

Seit 2015 laden wir für jede Saison einen ganz besonderen Gast zu uns ein: den "Artist in Residence", mit dem wir im Verlauf der Saison verschiedene musikalische Projekte durchführen. Gern probieren wir dabei neue Formate aus oder suchen gemeinsam andere Formen der künstlerischen Inspiration und Weiterentwicklung.

Die Idee, für jede Saison mit einem „Artist in Residence“ zusammenzuarbeiten, entstand aus dem Anliegen, dem Orchester vertiefte künstlerische Begegnungen mit ausgewählten Gästen zu ermöglichen. Unser jeweiliger „Artist in Residence“ kommt im Verlauf einer Saison für verschiedene Projekte und Programme nach Potsdam. Die Auswahl der Kandidat*innen geschieht gemeinsam mit dem Orchester, dem künstlerischen Leiter und der Geschäftsführung. Besonderen Wert legen wir dabei auf Repertoire-Breite, verschiedene künstlerische Facetten, auch einen Wechsel in den Instrumental-Farben, Interesse an Kammermusik und neuen Formaten.

So konnten wir seit 2015/16 so herausragende Künstler wie Veronika Eberle, Kristian Bezuidenhout, Andreas Ottensamer, Steven Isserlis oder Jörg Widmann gewinnen. Bei aller Unterschiedlichkeit ist allen eine große Neugier auf Begegnung gemein, der künstlerische Austausch, die gegenseitige Inspiration, die Lust an Kommunikation. Häufig kann man förmlich spüren, wie sich im Orchester die Energie bei jeder einzelnen Musikerin und jedem Musiker verändert und dadurch wieder neue Ideen und Vorhaben entstehen.

 

Unsere Artists in Residence

Saison 15.16: Kristian Bezuidenhout

Kristian Bezuidenhout

Saison 16.17: Veronika Eberle

Veronika Eberle

Saison 17.18: Andreas Ottensamer

Andreas Ottensamer

Saison 18.19: Steven Isserlis

Steven Isserlis

Saison 19.20: Antoine Tamestit

Antoine Tamestit

Saison 20.21: Jörg Widmann

Jörg Widmann