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Potsdamer Winteroper 2021:
The Rape of Lucretia

12. bis 28. November 2021

Lucretia – eine geschändete Frau nimmt ihr Schicksal in die Hand und verändert damit das politische Gefüge einer ganzen Gesellschaft.

Die antike Geschichte der römischen Bürgerin berührt zentrale Fragen des moralischen Handelns und zeigt, dass die Haltung einer Einzelnen Konsequenzen für die ganze Gemeinschaft mit sich bringt. Der jahrhundertealte Stoff erscheint hochaktuell und gewinnt in der Musiksprache Benjamin Brittens einen emotional berührenden Zugang.

Die tragische Geschichte der Römerin Lucretia steht wie kaum eine andere für die Selbstbestimmtheit einer erniedrigten Frau und rückt die Macht der Einzelnen gegenüber der Gesellschaft in den Fokus. Benjamin Britten, der bedeutendste englische Komponist des 20. Jahrhunderts, hat den antiken Stoff 1946 in Form einer Kammeroper vertont und ihm einen emotional berührenden Zugang verliehen.

Musikalische Leitung Douglas Boyd
Regie Isabel Ostermann
Bühne und Kostüme Stephan von Wedel
Dramaturgie Carola Gerbert

Erzähler Caspar Singh
Erzählerin Kate Royal
Collatinus Joshua Bloom
Junius Richard Burkhard
Tarquinius Seán Boylan
Lucretia Katie Bray
Bianca Kathleen Wilkinson
Lucia Fflur Wyn

Kammerakademie Potsdam

Die Handlung fällt in die Zeit der Belagerung Roms durch den tyrannischen Etruskerkönig Tarquinius Superbus um 500 vor Christus. Lucretia, die Ehefrau des Generals Collatinus, gilt als Muster makelloser Treue und Tugend und passt damit ganz und gar nicht in das von Ausschweifungen und Hurerei geprägte Rom der Zeit. Lucretias reines Wesen ist eine einzige Provokation für die verrohte und sittenlose Gesellschaft, zu der auch der Prinz Tarquinius gehört, Sohn des Tyrannenkönigs.

Bei einem Trinkgelage fasst er den Beschluss, Lucretias Treue zu erproben. In ihrem eigenen Haus bricht er mit Gewalt ihre Unschuld. Während sich Lucretia gegen ihre Schändung nicht wehren konnte, wird sie am Morgen danach ihrem Ehemann davon berichten. Obwohl sie von ihm Trost erfährt, kann sie mit dem Trauma der Erniedrigung und Schande nicht weiterleben. Als einziger Ausweg erscheint ihr der Selbstmord.

Ihr Suizid ist der Beginn des römischen Aufbegehrens gegen die verhasste Tyrannenherrschaft der Etrusker. Der angefachte Bürgerkrieg mündet in der Beendigung der Monarchie und dem Entstehen der Republik – Lucretias Name ist ihrem Gründungsmythos verewigt.

Das Drama um die Schändung der Lucretia gehört seit der Renaissance zu den faszinierendsten Motiven künstlerischer Auseinandersetzung in der Malerei, Dichtung und Musik. Britten nimmt in seiner zweiaktigen Kammeroper Bezug auf barocke Stilelemente Henry Purcells, die er mit neuen dramatischen Effekten verschmilzt. Seine melodischen Motive verleihen den Szenen eindringliche Subjektivität und den Rollen psychologische Tiefe. Mit acht Gesangssolisten sowie dem kammermusikalischen Orchester entstand ein expressives und spannungsvolles Meisterwerk. Ein Erzähler und eine Erzählerin repräsentieren den antiken Chor und führen, ähnlich der Bach’schen Evangelisten, in die Handlung ein, die sie von einem christlichen Standpunkt aus kommentieren. Lucretias Tod erscheint bei ihm gleichsam als aufwühlendes Zeugnis wie auch als stille Mahnung.

Gentileschi Lukretia Mit Rahmen

Artemisia Gentileschi: Tarquinius und Lukretia / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten / Fotograf: Wolfgang Pfauder

Eine besondere Verbindung des Lucretia-Topos‘ stellt die Potsdamer Winteroper 2020 auch mit ihrem Aufführungsort her – dem Schlosstheater im Neuen Palais. Friedrich der Große erwarb das Gemälde „Lukretia und Sextus Tarquinius“ der Barockmalerin Artemisia Gentileschi (1593–1654) für sein Schloss und wies ihm einen prominenten Platz zu. Zur Warnung vor unsittlichem Verhalten des Kronprinzen ließ er es vor dessen Tür hängen. Das Gemälde befindet sich heute im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und liefert der Potsdamer Winteroper 2020 zusätzliche kunstgeschichtliche Berührungspunkte, die in unserem thematischen Begleitprogramm in den Fokus gerückt werden.

Die Potsdamer Winteroper ist eine Koproduktion von der Kammerakademie Potsdam und dem Hans Otto Theater.

Termine

Potsdamer Winteroper

The Rape of Lucretia

Freitag
12.11.2021
19.00 Uhr
Potsdamer Winteroper

The Rape of Lucretia

Samstag
13.11.2021
19.00 Uhr
Potsdamer Winteroper

The Rape of Lucretia

Samstag
20.11.2021
19.00 Uhr
Potsdamer Winteroper

The Rape of Lucretia

Sonntag
21.11.2021
16.00 Uhr
Potsdamer Winteroper

The Rape of Lucretia

Samstag
27.11.2021
19.00 Uhr

Geschichte

Geschichte der Potsdamer Winteroper

Die Potsdamer Winteroper ist seit ihrer Gründung 2005 ein kulturelles Glanzlicht der Landeshauptstadt und kehrt in diesem Jahr zurück in ihre ursprüngliche Heimstätte: das Schlosstheater im Neuen Palais.

Als Kooperation der Kammerakademie Potsdam und des Hans Otto Theaters Potsdam trägt die Potsdamer Winteroper mit hochkarätigen Sängern und Künstlern die einzigartige 250-jährige Geschichte von Opernaufführungen in Potsdam ins Heute. Sie ist seit ihrer Gründung 2005 ein kulturelles Glanzlicht der Landeshauptstadt und jährlicher Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Kammerakademie Potsdam (KAP).

Außergewöhnliche Inszenierungen – von Mozarts „La Clemenza di Tito“ über Philip Glass’ „The Fall of the House of Usher“ bis hin zu Scarlattis „Cain und Abel“ und zuletzt Schuberts / Viviers „Lazarus ∞ Lonely Child“ – begeisterten jedes Jahr das Publikum.

Die Wiederbelebung der Potsdamer Operngeschichte fand an dem historischen Ort statt, der wie kein anderer die 250-jährige Operngeschichte Potsdams prägte und weiterhin repräsentiert: im Schlosstheater im Neuen Palais. Während der umfangreichen Sanierungsarbeiten des Barocktheaters waren die Winteroper-Produktionen von 2013 bis 2019 zu Gast in der stimmungsvollen Friedenskirche im Park Sanssouci. Die besondere Atmosphäre des sakralen Raums bot die einzigartige Chance, Oratorien und biblische Stoffe wie Mendelssohns „Elias“ dem Publikum szenisch zu präsentieren. Ab 2020 ist die Potsdamer Winteroper wieder zurück im Schlosstheater im Neuen Palais.

Die Erfolgsgeschichte der Potsdamer Winteroper wurde von namhaften Künstlern geprägt. Für Inszenierungen zeichneten renommierte Regisseure wie Frederic Wake-Walker, Uwe Eric Laufenberg, Achim Freyer, Lydia Steier und Andreas Dresen verantwortlich. Für die hohe musikalische Qualität garantierten Musikalische Leiter wie Trevor Pinnock, Konrad Junghänel, Andrea Marcon, Michael Sanderling und Antonello Manacorda. Die Potsdamer Winteroper genießt auch überregional hohe Reputation. So wurde die Produktion von Händels „Jephtha“ 2015 zu den Wiener Festwochen und zum Hamburger Theaterfestival eingeladen.

Rückblicke

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